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Wasserschaden & Trocknung

Bautrocknung: Verfahren, Dauer, Kostenfaktoren und Fachbetriebe

Auch bekannt als: Gebäudetrocknung, Neubautrocknung, Trocknungsfirma, Wasserschadentrocknung, Raumtrocknung

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Kurz beantwortet

Bautrocknung entzieht durchfeuchteten Bauteilen mit Geräten gezielt Wasser, etwa nach einem Rohrbruch, nach Hochwasser oder bei hoher Restfeuchte im Neubau. Welches Verfahren passt, hängt von Bauteil, Raumtemperatur und Schadensbild ab. Entscheidend sind eine Messung vorab, ein vereinbartes Trocknungsziel und ein Protokoll, das den Erfolg belegt.

Redaktion BauSonarAktualisiert am 31. Oktober 2026Quellen und Methodik

Was ist Bautrocknung?

Bautrocknung ist die technische Trocknung von Bauteilen, die zu viel Wasser aufgenommen haben. Gemeint sind Wände, Decken, Estriche, Dämmschichten und Hohlräume, nicht nur die Raumluft. Die Versicherungswirtschaft beschreibt technische Trocknung in ihrer Richtlinie VdS 3150 als Entfeuchtung von Baumaterialien mit Trocknungsgeräten, die den natürlichen Feuchteabbau gezielt beschleunigt.

Die Begriffe Bautrocknung, Gebäudetrocknung und technische Bauteiltrocknung meinen in der Praxis dasselbe. Neubautrocknung ist der Sonderfall, bei dem Restbaufeuchte aus frischem Mauerwerk, Putz oder Estrich abgeführt wird, damit der Ausbau weitergehen kann. Eine Trocknungsfirma plant und betreibt diese Geräte, misst den Fortschritt und dokumentiert das Ergebnis.

Das Ziel formuliert der Arbeitskreis Innenraumluft am österreichischen Umweltministerium in seinem Positionspapier so: Die Bauteile sollen so weit trocknen, dass das Schimmelrisiko weitgehend ausgeschlossen ist und die Räume dauerhaft schadensfrei genutzt werden können. Im Neubau geht es um einen sicheren Baufortschritt.

Wann ist eine Bautrocknung nötig?

Das Positionspapier nennt als typische Ursachen unter anderem Wasserschäden, Restbaufeuchte, eindringendes Oberflächen- oder Niederschlagswasser, aufsteigende Bodenfeuchte, Kondenswasser in Bauteilen, Leckagen an Rohrleitungen und Löschwasser. Oft wirken mehrere Ursachen zusammen.

Wasserschaden durch Leitungswasser. Ein geplatzter Schlauch, ein undichtes Rohr in der Wand oder eine übergelaufene Wanne: Das Wasser verteilt sich schnell in Estrich-Dämmschichten, unter Fliesen oder hinter Vorsatzschalen. Laut VdS 3150 reicht bei geringer Durchfeuchtung häufig die natürliche Trocknung. Technisch getrocknet wird, wenn das nicht in akzeptabler Zeit gelingt. Liegt die Ursache noch im Verborgenen, steht vor der Trocknung die Leckortung. Den Gesamtablauf vom Notfall bis zur Wiederherstellung beschreibt unsere Seite zur Wasserschadensanierung.

Neubau und Restfeuchte. Frischer Estrich, Putz und Beton bringen viel Anmachwasser ins Gebäude. Solange es nicht abgeführt ist, können Bodenbeläge, Anstriche oder Tapeten Schaden nehmen. Eine Neubautrocknung beschleunigt diesen Prozess. Für Estrich gibt es eigene Grenzwerte und Messverfahren, die wir auf der Seite Estrichtrocknung erklären.

Hochwasser und Starkregen. Hier ist das Wasser oft verschmutzt. Die Stadt Münster weist nach Starkregen darauf hin, dass Regenwasser mit Fäkalien oder Öl vermischt durch Kellerfenster und Rückstau eindringen kann. Das österreichische Positionspapier hält fest, dass es nach Hochwasser wegen solcher Verunreinigungen notwendig sein kann, den gesamten Fußbodenaufbau zu entfernen statt ihn zu trocknen. Ob getrocknet oder zurückgebaut wird, hängt neben der Nässe auch von der Belastung ab.

Verfahren der Bautrocknung

VdS 3150 unterscheidet vier Wirkprinzipien, die eine Trocknungsfirma kombiniert: Raumluftfeuchte senken, das feuchte Bauteil erwärmen, Bauteile mit trockener Luft umströmen und feuchte Hohlräume mit trockener Luft durchströmen.

Kondenstrocknung

Der klassische Bautrockner arbeitet nach dem Kühlschrankprinzip. Ein Ventilator saugt feuchte Raumluft an, am kalten Verdampfer fällt sie unter den Taupunkt, das Wasser kondensiert an Lamellen und läuft in einen Behälter oder Schlauch. Anschließend wird die Luft am Kondensator wieder erwärmt und leicht wärmer in den Raum geblasen. So beschreiben es VdS 3150 und die Umweltberatung der Stadt Münster übereinstimmend.

Die Leistung hängt stark vom Raumklima ab. Ein von der TU Dresden zitierter Herstellerkatalog zeigt, dass dieselben Geräte bei 30 °C und 80 % relativer Luftfeuchte ein Vielfaches der Wassermenge abscheiden wie bei 10 °C. Die EnBW nennt Kondenstrockner in kühlen Umgebungen unter 15 °C weniger wirksam. Fenster und Türen bleiben während des Betriebs geschlossen, damit das Gerät die Bauteilfeuchte und nicht die Außenluft entzieht.

Adsorptionstrocknung

Adsorptionstrockner arbeiten ohne Kältekreis. Die Luft strömt durch ein Sorptionsrad mit einem wasseranziehenden Material wie Silicagel, das die Feuchte bindet. Ein zweiter, beheizter Luftstrom regeneriert das Rad und führt die Feuchte meist über einen Schlauch nach außen ab. Der Hersteller Dantherm gibt für seine Adsorptionsgeräte eine nahezu gleichbleibende Entfeuchtungsleistung über einen weiten Temperaturbereich an, auch unter dem Gefrierpunkt. Laut ADAC eignen sich Adsorptionsgeräte deshalb für Keller und unbeheizte Räume. Die EnBW weist auf höheren Stromverbrauch und Wartungsaufwand hin.

Dämmschichttrocknung (Unterflurtrocknung)

Steht Wasser in der Dämmschicht unter dem Estrich, hilft ein Raumgerät allein nicht. Die Fachfirma bohrt den Estrich an oder nutzt die Randfugen und führt Luft kontrolliert durch die Dämmschicht. Nach Leitungswasserschäden ist laut VdS 3150 das saugende Unterdruckverfahren die Regelmethode, weil es keine Mikroorganismen oder Dämmstofffasern in die Räume verteilt. Die Abluft wird nach außen geführt oder über Filter der Staubklasse H gereinigt.

Das österreichische Positionspapier ergänzt, dass reines Unterdruckverfahren weniger Trocknungsleistung bringt und deshalb zunehmend kombinierte Druck-/Unterdruckverfahren mit gezielt eingebrachter Trockenluft eingesetzt werden. Für beide Verfahren sollen die Estrichrandfugen vorher dauerhaft dicht verschlossen werden. Die trockene Luft liefern Kondens- oder Adsorptionstrockner. Ob die Luft wirklich durch die ganze Fläche strömt, prüft man mit einem Anemometer.

Infrarot- und Wärmeplattentrocknung

Wärmeplatten arbeiten mit Infrarotstrahlung. Sie stehen direkt vor dem nassen Bauteil, heizen es auf und lassen das Wasser oberflächlich verdunsten (VdS 3150). Der ADAC beschreibt Infrarotplatten als Ergänzung für einzelne stark durchfeuchtete Wandbereiche. Für Hohlräume in Massivbauteilen nennt VdS 3150 Wärmeeinwirkung als eine Möglichkeit neben der Durchströmung über Bohrungen.

Ventilatoren und Lüftung

Ventilatoren und Gebläse beschleunigen die Trocknung, weil bewegte Luft die Feuchte von der Oberfläche abträgt. VdS 3150 nennt zusätzliche Luftströmung als förderlich, etwa bei Hohlräumen und Schächten. Die Messreihen der TU Dresden zeigen allerdings auch eine Grenze: In einer späten Trocknungsphase stieg der Stromverbrauch pro Kilogramm gewonnenen Wassers mit zusätzlichen Gebläsen deutlich, die Wassermenge nur um etwa 5 %.

Lüften und Heizen ist die einfachste Form der Trocknung. Es funktioniert gut, wenn die Außenluft trockener ist als die Raumluft, im Winter also eher als im Sommer. Die Stadt Münster warnt ausdrücklich davor, kühle Keller im Sommer tagsüber zu lüften, weil warme Außenluft an den kalten Wänden kondensiert.

Verfahren im Vergleich

Verfahren Prinzip Typischer Einsatz Grenzen und Hinweise
Kondenstrocknung Luft wird unter den Taupunkt gekühlt, Wasser kondensiert Raumtrocknung in beheizten Räumen, feuchter Putz und Mauerwerk Deutlich schwächer in kühlen Räumen, Fenster müssen geschlossen bleiben
Adsorptionstrocknung Sorptionsrad (z. B. Silicagel) bindet Feuchte, Rad wird mit Heißluft regeneriert Keller, unbeheizte Räume, Trockenluft für Dämmschicht- und Hohlraumtrocknung Höherer Stromverbrauch, feuchte Abluft muss abgeführt werden
Dämmschichttrocknung (Unterdruck oder Druck/Unterdruck) Luft wird über Bohrungen oder Randfugen durch die Dämmschicht gesaugt oder gedrückt Nasse Dämmschicht unter Estrich, Hohlräume, Schächte Randfugen abdichten, Abluft ins Freie oder über H-Filter, Luftführung prüfen
Infrarot-/Wärmeplatten Bauteil wird von außen erwärmt, Wasser verdunstet an der Oberfläche Einzelne stark durchfeuchtete Wandbereiche Punktuell, meist als Ergänzung
Ventilatoren/Gebläse Luftbewegung an der Oberfläche Ergänzung zu allen Verfahren, Hohlräume Ohne Entfeuchtung wird die Feuchte nur verteilt, späte Phasen bringen wenig
Heizen und Lüften Warme Luft nimmt Feuchte auf und wird gegen trockenere Außenluft getauscht Geringe Durchfeuchtung, Winterhalbjahr Abhängig vom Wetter, im Sommer im Keller riskant

Ablauf einer professionellen Bautrocknung

  1. Ursache beheben. Solange Wasser nachläuft, ist jede Trocknung vergeblich. Zuerst wird die Leckage gefunden und repariert oder der Wassereintritt gestoppt.
  2. Messung und Trocknungsziel. Das österreichische Positionspapier fordert, vor Beginn die Ursache zu klären und ein Trocknungsziel zu vereinbaren, in der Regel eine Materialfeuchte. VdS 3150 nennt als Ziel die baustoffspezifische Ausgleichsfeuchte. Mehr zu Messgeräten und Fehlerquellen lesen Sie bei der Feuchtigkeitsmessung.
  3. Trocknungskonzept und Aufbau. Die Fachfirma wählt die Methode, dimensioniert die Geräte und baut sie so auf, dass Staub nicht in unbelastete Räume getragen wird. VdS 3150 empfiehlt, vorher ein aussagefähiges Angebot mit Trocknungsumfang, Geräteanzahl und voraussichtlicher Dauer einzuholen.
  4. Trocknung mit Zwischenmessungen. Während der Trocknung wird regelmäßig gemessen. Das Positionspapier warnt vor sogenannten Luftstraßen: Die Luft nimmt den leichtesten Weg, abgelegene Bereiche bleiben dann feucht.
  5. Kontrollmessung und Protokoll. Der Erfolg wird laut VdS 3150 mit einem Trocknungsprotokoll belegt. Zur Mindestdokumentation gehören eine Grundrissskizze mit eingetragenen Messpunkten, das verwendete Messgerät und die Messeinheit.
  6. Rückbau und Wiederherstellung. Erst wenn die Bauteile nachweislich trocken sind, kommen Putz, Farbe und Bodenbelag. Die Stadt Münster rät, in feuchtegefährdeten Bereichen diffusionsoffene Beschichtungen wie Kalkputze oder Silikatfarben zu verwenden.

Wie lange dauert eine Bautrocknung?

Die Dauer hängt vor allem von vier Faktoren ab: dem Material, dem Aufbau der Konstruktion, der Wassermenge und dem Raumklima. VdS 3150 nennt Regeltrocknungszeiten, die bei sachgerechtem Aufbau und ausreichend bemessenem Geräteeinsatz in den meisten Fällen genügen:

  • Dämmschichten aus Polystyrol oder extrudiertem Hartschaum: 14 Tage
  • Dämmschichten aus Mineralfasern oder Schüttungen wie Schlacke: 14 bis 21 Tage
  • Perlite und Kokosfasern: 14 bis 18 Tage
  • Massives Mauerwerk, Verbundestrich, Gipsdielenwände: 14 Tage
  • Hohlblocksteine: 14 bis 21 Tage

Der ADAC gibt als grobe Orientierung für Wände und Putz etwa ein bis drei Wochen an, für Estrich und Dämmung etwa drei bis sechs Wochen, in Einzelfällen bis zu acht. Erdberührte Bauteile wie Kellerböden und -außenwände trocknen besonders langsam, weil die gesamte Feuchte zur Innenseite hin abgeführt werden muss (TU Dresden).

Lässt sich ein massives Bauteil nicht in zumutbarer Zeit oder nicht wirtschaftlich trocknen, sieht VdS 3150 andere Sanierungswege vor, etwa den Rückbau.

Stromverbrauch und Kosten

Was eine Bautrocknung kostet, hängt von der Schadensfläche, der Zahl und Art der Geräte, der Dauer, dem Aufwand für Bohrungen und Abdichtungen sowie von Messungen und Protokollen ab. Pauschalpreise ohne Ortstermin sind daher wenig aussagekräftig. Eine eigene Kostenschätzung ermöglicht unser Rechner für die Stromkosten von Bautrocknern.

Beim Strom lohnt der Blick auf die Gerätedaten. Vattenfall nennt für Bautrockner eine Leistungsaufnahme von rund 300 bis 2.100 Watt. Die Umweltberatung der Stadt Münster weist darauf hin, dass dies die maximale Leistungsaufnahme ist. Im Normalbetrieb liegt sie meist darunter, und hygrostatgesteuerte Geräte schalten ab, sobald die Zielfeuchte erreicht ist. Die Messreihen der TU Dresden zeigen zudem, dass die je Stunde gewonnene Wassermenge im Verlauf der Trocknung deutlich sinkt, während der Strombedarf pro Liter steigt.

Beispielrechnung

Die folgende Rechnung zeigt nur den Rechenweg. Alle Werte sind Annahmen, die Sie durch Ihre eigenen ersetzen.

  • Annahme: 2 Geräte mit je 500 W Leistungsaufnahme
  • Annahme: Dauerbetrieb 24 Stunden am Tag
  • Annahme: 14 Tage Trocknung
  • Annahme: Strompreis 0,35 Euro pro kWh (Platzhalter, setzen Sie den Arbeitspreis aus Ihrer Stromrechnung ein)

Verbrauch: 2 × 0,5 kW × 24 h × 14 Tage = 336 kWh Stromkosten: 336 kWh × 0,35 €/kWh = 117,60 Euro

Das ist eine Obergrenze für dieses Szenario. Weil Geräte selten durchgehend mit voller Leistung laufen, liegt der tatsächliche Verbrauch meist niedriger. Verlässlich ist nur der abgelesene Zählerstand. Gerätemiete, Arbeitszeit, Bohrungen, Messungen und Wiederherstellung kommen hinzu.

Selbst trocknen oder Fachbetrieb beauftragen?

Selbst trocknen kommt in Frage, wenn die Ursache beseitigt ist, nur Raumluft und Oberflächen massiver Wände betroffen sind und Sie die Feuchte messen können. Der ADAC hält bei oberflächlicher Nässe, etwa einem umgekippten Eimer, Aufwischen und Lüften für ausreichend. Wer ein Gerät dafür leihen möchte, findet Hinweise unter Bautrockner mieten.

Ein Fachbetrieb ist sinnvoll, sobald Wasser in Estrich, Dämmschichten, Hohlräume oder dicke Bauteile gelangt ist, wenn verschmutztes Wasser im Spiel war oder wenn eine Versicherung beteiligt ist. VdS 3150 empfiehlt, technische Trocknung von einer qualifizierten Fachfirma ausführen zu lassen, und weist darauf hin, dass der Versicherer Kontakte zu Fachfirmen vermitteln kann. Ein Raumtrockner erreicht die Dämmschicht unter dem Estrich nicht, und ohne Messung bleibt unklar, wann die Trocknung beendet ist.

Bautrocknung und Versicherung

Bei einem Leitungswasserschaden ist in der Regel die Wohngebäudeversicherung für Gebäudeteile zuständig, die Hausratversicherung für bewegliche Gegenstände. Schäden durch Hochwasser oder Starkregen sind laut ADAC und Vattenfall nur mit einer zusätzlichen Elementarschadenversicherung abgedeckt. Was genau übernommen wird, regelt Ihr Vertrag.

Allgemein bewährt haben sich diese Schritte, die sich aus VdS 3150 ableiten:

  • Schaden schnell beim Versicherer melden und Vermieter oder Hausverwaltung informieren.
  • Schaden fotografieren: Schadenstelle, durchfeuchtete Bereiche, Wasserstandsmarken, betroffene Einrichtung.
  • Beschädigte Gegenstände und ausgetauschte Teile wie Schläuche oder Rohrstücke nicht entsorgen, bevor der Versicherer zugestimmt hat.
  • Auf einen Stromzähler an den Geräten achten. VdS 3150 sieht geeichte Stromverbrauchszähler vor, damit die tatsächlichen Energiekosten erstattet werden können. Notieren Sie Zählerstände bei Aufbau und Abbau.
  • Trocknungsprotokoll und Rechnung aufbewahren. Die EnBW nennt als typische Nachweise Protokoll, Stromverbrauch und eine aktuelle Stromrechnung mit Tarifangaben.

Modernisierungen, die über die Wiederherstellung hinausgehen, etwa Parkett statt Laminat, müssen laut VdS 3150 gesondert ausgewiesen und selbst bezahlt werden.

Schimmelrisiko bei Feuchteschäden

Schimmel ist der wichtigste Grund, schnell zu trocknen. Die Stadt Münster nennt eine relative Luftfeuchte ab 65 bis 70 % als Bereich, in dem Schimmelpilze wachsen können, und warnt, dass Schimmel unbemerkt in der Dämmschicht unter dem Estrich, unter Holzdecken oder hinter Vorsatzwänden wachsen kann. Der ADAC weist darauf hin, dass sich bei unvollständiger Trocknung schon innerhalb weniger Tage Schimmel bilden kann.

Nicht jedes Material lässt sich retten. Laut Stadt Münster können Ziegel und Kalksandstein meist getrocknet werden, Gipsbaustoffe, Naturdämmstoffe und Parkett müssen dagegen oft vollständig entfernt werden. Ist bereits Schimmel vorhanden, soll er laut österreichischem Positionspapier vor Beginn der Trocknung vollständig entfernt werden, damit die Trocknungsluft die Sporen nicht verteilt. Wie das fachgerecht geschieht, lesen Sie unter Schimmelbeseitigung.

Fachbetrieb für Bautrocknung auswählen

Eine gute Trocknungsfirma erkennen Sie an ihrer Arbeitsweise. Diese Checkliste hilft beim Vergleich von Angeboten:

  • Die Firma misst vor Ort, bevor sie ein Angebot abgibt, und nennt Messverfahren und Messpunkte.
  • Das Angebot enthält Trocknungsumfang, Geräteanzahl, Verfahren und voraussichtliche Dauer.
  • Ein Trocknungsziel ist schriftlich festgelegt, etwa die baustoffspezifische Ausgleichsfeuchte.
  • Die Geräte haben einen geeichten Stromzähler, die Zählerstände werden protokolliert.
  • Bei Dämmschichttrocknung ist beschrieben, wie Randfugen abgedichtet und die Abluft geführt oder gefiltert wird.
  • Zwischen- und Abschlussmessungen sind vorgesehen, ein Trocknungsprotokoll mit Grundrissskizze ist Teil der Leistung.
  • Die Firma erklärt, was bei Schimmelverdacht oder verschmutztem Wasser passiert.

Fragen, die Sie stellen sollten:

  • Welches Verfahren schlagen Sie vor, und warum passt es zu meinem Bauteil und meiner Raumtemperatur?
  • Woran erkennen wir, dass die Trocknung abgeschlossen ist?
  • Wie oft kommen Sie zur Kontrollmessung?
  • Wie laut sind die Geräte, und kann ich die Räume währenddessen nutzen?
  • Wer koordiniert die Gewerke für die Wiederherstellung?

Wenn Sie Angebote von Fachbetrieben in Ihrer Region vergleichen möchten, können Sie hier eine Anfrage für eine Bautrocknung stellen.

Häufige Fehler bei der Bautrocknung

  • Trocknen, bevor die Ursache behoben ist. Läuft weiter Wasser nach, verlängert sich die Trocknung oder bleibt erfolglos.
  • Fenster offen lassen, während der Kondenstrockner läuft. Das Gerät entfeuchtet dann vor allem Außenluft.
  • Kondenstrockner in kalten Räumen einsetzen. In kühlen Kellern sinkt die Leistung deutlich, ein Adsorptionsgerät oder zusätzliche Wärme kann sinnvoller sein.
  • Nur die Raumluft trocknen, wenn die Dämmschicht nass ist. Das Wasser unter dem Estrich bleibt dort und kann Schimmel verursachen.
  • Geräte zu früh abschalten. Trocken ist ein Bauteil erst, wenn die Messwerte das Ziel erreichen, nicht wenn es sich trocken anfühlt.
  • Zu früh renovieren. Putz, Farbe und Bodenbelag erst aufbringen, wenn die Bauteile nachweislich trocken sind.
  • Keine Dokumentation. Ohne Fotos, Zählerstände und Protokoll wird die Abrechnung mit der Versicherung schwierig.

Weiterführende Informationen

Wer die Gesamtkosten einer Trocknung mit eigenen Annahmen zu Fläche, Geräten und Dauer durchspielen möchte, kann den Kostenrechner für die Bautrocknung nutzen. Für Estrich gelten eigene Messverfahren und Grenzwerte, die auf der oben verlinkten Seite zur Estrichtrocknung erklärt sind. Wenn bereits Schimmel sichtbar ist oder muffiger Geruch auftritt, sollte die Sanierung vor der Trocknung geplant werden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bautrocknung und Gebäudetrocknung?

Im Sprachgebrauch meinen beide Begriffe dasselbe: die technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile wie Wände, Decken, Estrich oder Dämmschichten. In den Richtlinien der Versicherer heißt das Verfahren technische Trocknung. Neubautrocknung bezeichnet den Sonderfall, dass Restbaufeuchte vor dem weiteren Ausbau abgeführt wird.

Wie lange dauert eine Bautrocknung nach einem Wasserschaden?

Die Richtlinie VdS 3150 nennt Regeltrocknungszeiten von 14 Tagen für massives Mauerwerk oder Verbundestrich und 14 bis 21 Tage für Mineralfaser-Dämmschichten oder Hohlblocksteine, jeweils bei fachgerechtem Aufbau. Der ADAC gibt für Wände etwa ein bis drei Wochen und für Estrich mit Dämmschicht etwa drei bis sechs Wochen an. Abgeschlossen ist die Trocknung erst, wenn die Messwerte das vereinbarte Ziel erreichen.

Reicht es, die Fenster zu öffnen und zu heizen?

Bei geringer Durchfeuchtung kann laut VdS 3150 die natürliche Trocknung durch Heizen und gezieltes Querlüften ausreichen. Ist Wasser in Dämmschichten, Hohlräume oder dicke Massivbauteile gelangt, braucht es technische Trocknung. Ob die Feuchte wirklich sinkt, zeigt nur eine Messung.

Darf ich während der Trocknung in der Wohnung bleiben?

Das hängt vom Verfahren und vom Zustand der Räume ab. Das österreichische Positionspapier zur Bauteiltrocknung empfiehlt, zu trocknende Räume möglichst nicht zu nutzen, und fordert in bewohnten Gebäuden Verfahren, die keine Partikel in unbelastete Bereiche verteilen. Bei Estrich-Dämmschichten gilt das saugende Unterdruckverfahren deshalb als Regelmethode.

Wer zahlt den Strom für die Bautrockner?

Bei einem versicherten Leitungswasserschaden sieht VdS 3150 vor, dass die Geräte einen geeichten Stromzähler haben, damit dem Versicherungsnehmer die tatsächlichen Energiekosten erstattet werden können. Ob und in welcher Höhe gezahlt wird, regelt Ihr Vertrag. In Mietwohnungen dürfen die Stromkosten einer vom Vermieter veranlassten Trocknung laut Vattenfall nicht auf die Mieter umgelegt werden, wenn diese den Schaden nicht verursacht haben.

Kann ich einen Bautrockner einfach selbst mieten?

Für Raumluft und oberflächlich feuchte Massivwände ist das möglich, sofern die Ursache behoben ist und Sie die Feuchte messen. Für Dämmschichten unter dem Estrich oder Hohlräume reicht ein Raumgerät nicht aus. VdS 3150 empfiehlt für die technische Trocknung grundsätzlich eine qualifizierte Fachfirma.

Quellen

  1. Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung (VdS 3150), Ausgabe 2025-01 – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) / VdS Schadenverhütung GmbH, abgerufen am 31. Oktober 2026
  2. Wasserschaden: Wie bekomme ich Haus oder Wohnung wieder trocken? – ADAC, abgerufen am 31. Oktober 2026
  3. Positionspapier zur technischen Bauteiltrocknung (Positionspapier 5, 21.12.2012) – Arbeitskreis Innenraumluft am österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, abgerufen am 31. Oktober 2026
  4. Verhaltens-Tipps nach Wasserschäden in einem Gebäude – Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, abgerufen am 31. Oktober 2026
  5. Wissenswertes zu Kondensationsluftentfeuchtern: Funktionsweise und Betreibererfahrungen von 2002 – TU Dresden, Institut für Energietechnik, abgerufen am 31. Oktober 2026
  6. Adsorptionstrocknung – Dantherm Group AG, abgerufen am 31. Oktober 2026
  7. Wasserschaden: So gelingt die Trocknung – EnBW Energie Baden-Württemberg AG, abgerufen am 31. Oktober 2026
  8. Wenn Wasserschaden und Trocknung zur Belastung werden – Vattenfall, abgerufen am 31. Oktober 2026

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