Beton & Bohrtechnik
Kernbohrung: Verfahren, Bohren in Stahlbeton und Ablauf mit dem Fachbetrieb
Auch bekannt als: Betonbohren, Betonbohrung, Kernbohren, Kernbohrungen, Diamantbohren, Kernbohrung Stahlbeton
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Kurz beantwortet
Eine Kernbohrung schneidet mit einer hohlen Diamantbohrkrone ein rundes, glattes Loch in Beton oder Mauerwerk, zum Beispiel für Rohre, Kabel oder Lüftungskanäle. In Stahlbeton entscheidet nicht das Gerät, sondern die Lage der Bohrung: Tragende Bewehrung darf nicht unkontrolliert durchtrennt werden, deshalb gehören Bewehrungsortung und die Abstimmung mit einem Tragwerksplaner vor den ersten Schnitt. Danach sind Wasser oder Staub zu beherrschen und die Durchführung dauerhaft abzudichten.
Redaktion BauSonarAktualisiert am 31. Oktober 2026Quellen und Methodik
Was ist eine Diamantkernbohrung?
Bei einer Kernbohrung arbeitet sich keine Bohrerspitze durch das Material. Stattdessen dreht sich eine hohle, becherförmige Bohrkrone, deren Schneidrand mit Diamantsegmenten besetzt ist. Sie schneidet nur einen schmalen Ring heraus. Was in der Mitte stehen bleibt, ist der Bohrkern, auf der Baustelle auch Zapfen genannt. Das Baulexikon von Bauprofessor nennt Beton, Mauerwerk und Naturstein als typische Materialien.
Zwei Bohrarten werden unterschieden. Bei der Durchgangsbohrung geht die Krone vollständig durch Wand oder Decke. Es entstehen glatte Kanten auf beiden Seiten, der Bohrkern wird als Ganzes entnommen. Bei der Sackbohrung endet die Bohrung im Bauteil, es bleibt eine zylindrische Vertiefung mit einem Stumpf am Grund.
Gegenüber Bohrhammer und Meißel hat das Verfahren drei Vorteile: maßgenaue runde Öffnungen auch in großen Durchmessern, saubere Ränder ohne Ausbrüche und deutlich weniger Erschütterung. Bauprofessor beschreibt die Kernbohrung als vibrationsfrei. Das heißt allerdings nicht, dass jede Kernbohrung statisch unbedenklich ist. Ob ein Loch das Tragwerk schwächt, hängt davon ab, wo es sitzt und was es durchschneidet.
Wofür Kernbohrungen eingesetzt werden
Im Hochbau dient die Kernbohrung vor allem dazu, Öffnungen für die Haustechnik herzustellen. Die Auswahlhilfe von Hilti nennt als Anwendungen unter anderem Durchführungen für Rohre und Leitungen, Dübellöcher, Dosensenken in Mauerwerk und Perforationsbohrungen. Typische Fälle im Wohnungsbau und in der Sanierung:
- Rohr- und Kabeldurchführungen: Abwasser- und Wasserleitungen durch Geschossdecken, Hauseinführungen für Strom, Gas, Wasser oder Glasfaser durch die Kellerwand, Leitungen für Wärmepumpen und Split-Klimageräte.
- Lüftung und Abluft: Mauerdurchbrüche für Dunstabzugshauben, Wohnraumlüftung oder Abgasleitungen. Hier sind die Durchmesser größer.
- Perforationsbohrungen: Viele Kernbohrungen in einer Reihe, um größere Öffnungen herauszutrennen. Für rechteckige Durchbrüche ist oft Wandsägen oder Betonschneiden die bessere Methode.
- Bohrkerne als Probe: Der entnommene Kern selbst kann das Ziel sein. Laut Institut für Werkstoffe des Bauwesens der Universität der Bundeswehr München geben Bohrkerne Einblick in die innere Qualität des Betons. Im Labor lassen sich daran unter anderem Festigkeit, E-Modul, Rohdichte, Porosität, Risstiefe und Karbonatisierungstiefe bestimmen. Solche Proben werden etwa vor Umbauten im Bestand gezogen, wenn ein Tragwerksplaner wissen muss, was der vorhandene Beton noch leistet. Wo und wie viele Kerne entnommen werden, legt in diesem Fall der Planer oder das Prüflabor fest.
Nassbohrung oder Trockenbohrung?
Ob mit oder ohne Wasser gebohrt wird, hängt vor allem vom Material, vom Durchmesser und von der Umgebung ab. Beim Nassbohren kühlt Wasser die Bohrkrone und spült das Bohrmehl aus dem Spalt. Bauprofessor ordnet dünnwandige Nassbohrkronen sehr harten Materialien wie Stahlbeton zu, Trockenbohrkronen eher Ziegel, Kalksandstein und Porenbeton. Universalkronen können beides.
Die Hilti-Auswahlhilfe zieht die Grenze so: Für Mauerwerk führt sie handgeführte Trockenbohrkronen im Bereich von 52 bis 162 mm, für armierten Beton dagegen Nassbohrkronen. Handgeführt reicht das bis etwa 161 mm, darüber wird ständergeführt nass gebohrt, mit Kronen bis 600 mm.
| Kriterium | Nassbohrung | Trockenbohrung |
|---|---|---|
| Typische Materialien | Beton, Stahlbeton, harte Natursteine | Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, teils unbewehrter Beton |
| Führung | Bei größeren Durchmessern ständergeführt | Meist handgeführt, kleinere bis mittlere Durchmesser |
| Kühlung | Wasser kühlt die Krone und spült Bohrmehl aus | Luftkühlung, Bohrmehl wird abgesaugt |
| Was anfällt | Wasser und Bohrschlamm | Feiner mineralischer Staub, oft quarzhaltig |
| Nötige Ausrüstung | Wasserzufuhr, Wasserfangring, Nasssauger oder Wassermanagement-System | Absaugung mit Entstauber mindestens Staubklasse M |
| Besonders zu beachten | Elektrische Sicherheit, Schutz von Böden, Wänden und darunterliegenden Räumen | Staubschutz für Ausführende und Bewohner |
In bewohnten Räumen ist keine der beiden Varianten sauber. Beim Nassbohren muss das Wasser kontrolliert aufgefangen werden, beim Trockenbohren der Staub. Ein guter Betrieb erklärt vorab, wie er das löst.
Bohren in Stahlbeton: Bewehrung und Statik
Stahlbeton ist ein Verbundbaustoff. Die Fachzeitschrift IKZ erklärt das Prinzip am Beispiel eines Unterzugs: Der Beton nimmt die Druckkräfte auf, die eingelegten Stahlstäbe die Zugkräfte. Bei einem Balken liegt die Zugzone unten, dort sitzt die Hauptbewehrung, oft nur wenige Zentimeter über der Unterkante. Diese Stäbe dürfen laut IKZ auf keinen Fall durchtrennt werden, im schlimmsten Fall droht der Einsturz des Trägers. Bohrungen sollen deshalb eher auf halber Trägerhöhe liegen, niemals nahe der Unterkante.
Ein Punkt wird oft übersehen: Auch die Dübelbohrung, mit der der Bohrständer am Bauteil befestigt wird, darf laut IKZ die Bewehrung niemals beschädigen.
Das Tückische ist, dass man einen Treffer kaum bemerkt. Hilti bewirbt für ein handgeführtes Kernbohrgerät ausdrücklich das schnelle Durchbohren von Bewehrungseisen. Eine Diamantkrone schneidet Stahl also mit, ohne dass sich der Bohrvorgang stark verändert. Ein Stück Stahl im Bohrkern ist dann der Beweis, aber zu spät.
Wann ein Tragwerksplaner gefragt werden muss
Laut IKZ muss bei nachträglichen Bohrungen in Stahlbeton in der Regel vorher ein Statiker gefragt werden, wo die Kernbohrung gesetzt werden kann. Das gilt sinngemäß für alle tragenden Bauteile:
- Stahlbetondecken, Unterzüge, Stützen und Balken
- Tragende Wände aus Beton oder Mauerwerk
- Mehrere Bohrungen dicht nebeneinander oder sehr große Durchmesser
- Bauteile mit unbekanntem Aufbau, etwa im Altbau ohne Pläne
Bei nichttragenden Innenwänden ist eine statische Prüfung meist nicht nötig. Ob eine Wand trägt, ist aber nicht immer offensichtlich. Im Zweifel klären Sie es vorher. In Eigentumswohnanlagen und Mietshäusern betreffen Bohrungen durch Decken, tragende Wände und Außenwände zudem oft das Gemeinschaftseigentum, dann brauchen Sie vor dem Auftrag die Zustimmung von Verwaltung oder Vermieter.
Bewehrungsortung mit Scanner und Radar
Um festzulegen, wo gebohrt werden darf, wird die Bewehrung zerstörungsfrei geortet. Laut einer Veröffentlichung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) geschieht das meist mit Handgeräten, die nach dem Wirbelstromprinzip oder mit Radar arbeiten. Die gefundenen Stäbe werden auf der Bauteiloberfläche angezeichnet, dann legt man die Bohrung in ein bewehrungsfreies Feld.
Die BAM-Untersuchung macht aber auch die Grenzen deutlich:
- Bewehrungspläne zeigen Durchmesser, Abstände und Lagen, aber nicht die genaue tatsächliche Lage im Bauteil.
- Oberflächennahe Stäbe wurden in den Schulungen mit allen Geräten nahezu vollständig gefunden. In größerer Tiefe hing das Ergebnis stark von der Erfahrung des Prüfers und von der Geräteklasse ab, die einfachsten Geräte versagten dort teils ganz.
- Bei zwei Bewehrungslagen mit ausreichenden Stababständen genügen einfache Such- und Radargeräte. Liegt tiefer weitere Bewehrung, empfiehlt die BAM Radar mit bildgebender Darstellung, bei mehr als zwei Lagen oder sehr dichter Bewehrung eine Kombination aus Radar und Ultraschall.
- Leitungen und Installationen können Flächen unzugänglich machen. Treffer lassen sich daher nicht vollständig ausschließen.
Die Universität der Bundeswehr München ergänzt: Liegen keine weiteren Unterlagen vor, sollten Scanergebnisse durch gezielte Öffnungen geprüft werden, bei denen einzelne Stäbe freigelegt werden. Die Ortung ist also ein Werkzeug für Fachleute. Ein günstiger Leitungssucher aus dem Baumarkt ersetzt sie nicht.
Staub- und Wassermanagement
Beim Bearbeiten von Beton und vielen Mauersteinen entsteht quarzhaltiger Feinstaub. Die BG BAU warnt in ihrem Baustein C 317, dass dieser Staub bis in die Lunge gelangt und zu Silikose sowie zu Lungenkrebs in Verbindung mit Silikose führen kann. Tätigkeiten mit lungengängigem Quarzstaub sind als krebserzeugend zu bewerten.
Für das Trockenbohren nennt die BG BAU klare Anforderungen: nur abgesaugte Geräte verwenden, mit angeschlossenem Entstauber mindestens der Staubklasse M, Staub möglichst direkt an der Entstehungsstelle erfassen, nicht trocken kehren oder mit Druckluft abblasen, sondern saugen. Reicht die Absaugung an der Maschine nicht, kommen weitere Maßnahmen wie Luftreiniger hinzu. Ein geeigneter Baustellenstaubsauger ist deshalb Teil der Ausrüstung und kein Zubehör.
Nassbohren mindert den Staubanfall laut BG BAU erheblich. Ganz ausgeschlossen ist die Gefährdung trotzdem nicht, weil Staub mit dem Wasser als Aerosol verwirbelt werden kann. Die BG BAU empfiehlt, das Wasser direkt auf die Schnittstelle zu leiten und die Ausbreitung von Sprühnebel zu verhindern.
Dafür bringt das Wasser eigene Aufgaben mit. Hersteller bieten Wasserfangsysteme an, die je nach Ausführung für bestimmte Durchmesser ausgelegt sind, bei Hilti etwa gestaffelt bis 67, 122, 172 oder 250 mm, außerdem Varianten für Decken- und Wandkanten sowie Ecken. Mobile Wassermanagement-Systeme sammeln das Wasser und filtern den Bohrschlamm. Bei Deckenbohrungen ist besonders wichtig, dass im Raum darunter nichts nass wird. Wie der Bohrschlamm entsorgt wird, sollten Sie vorab mit dem Betrieb klären.
Abdichtung von Durchführungen
Nach dem Bohren ist die Arbeit nicht fertig. Der Spalt zwischen Bohrlochwand und Rohr, der Ringraum, muss je nach Lage gedämmt, brandschutztechnisch verschlossen oder gegen Wasser abgedichtet werden. Für Bohrungen durch erdberührte Kellerwände ist die Wasserdichtheit entscheidend.
Üblich sind Dichtungseinsätze mit Gummielementen, die per Verschraubung im Ringraum verpresst werden. Die Einbauhinweise des Herstellers DOYMA zeigen, worauf es ankommt:
- Kernbohrung und Rohr müssen vor dem Einbau gründlich gereinigt werden, Ausbrüche, Risse und Lunker in der Bohrlochwand sind vorher auszugleichen.
- Bei drückendem Wasser empfiehlt der Hersteller zusätzlich, die Kernbohrung selbst zu versiegeln.
- Dichtungseinsätze sind keine Festpunkte oder Stützlager. Das Rohr muss also anderweitig gehalten werden, und der Untergrund außen muss so verdichtet sein, dass Rohre oder Kabel nicht absinken.
- Bei Flanschkonstruktionen für Gebäude mit Bahnen- oder Dickbeschichtung verweist DOYMA auf DIN 18533 und nennt als Regelabstand zu Bauwerkskanten oder anderen Flanschen mindestens 150 mm bei nichtdrückendem und mindestens 300 mm bei drückendem Wasser.
Daraus folgt: Die Bohrung muss im Durchmesser zum gewählten Dichtsystem passen, und der Lastfall, also ob Bodenfeuchte, Sickerwasser oder drückendes Wasser ansteht, sollte vor dem Bohren geklärt sein. Bei Kellern mit Weißer oder Schwarzer Wanne gehört die Durchführung in das Abdichtungskonzept des Gebäudes. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Kellerabdichtung und zur Bauwerksabdichtung.
Ablauf mit einem Fachbetrieb
- Bedarf klären. Welche Leitung soll wohin, mit welchem Rohraußendurchmesser und welchem Dichtsystem? Daraus ergibt sich der Bohrdurchmesser.
- Bauteil bestimmen. Material, Dicke inklusive Putz und Dämmung, tragend oder nicht, Pläne vorhanden oder nicht. Fotos und Maße helfen schon beim ersten Kontakt.
- Statische Freigabe einholen. Bei tragenden Bauteilen legt der Tragwerksplaner die zulässige Lage fest. Liegen Bewehrungspläne vor, erhalten sie Planer und Bohrbetrieb.
- Leitungen und Bewehrung orten. Vor Ort werden Bewehrung und vorhandene Leitungen geortet und die Bohrstelle angezeichnet.
- Baustelle vorbereiten. Möbel räumen, Böden und Wände abdecken, Raum darunter oder dahinter sichern, Strom- und Wasseranschluss klären.
- Gerät setzen und bohren. Der Betrieb befestigt den Bohrständer per Dübel, Vakuumplatte oder Spannsäule, richtet ihn aus und bohrt mit Wasserfang oder Absaugung.
- Bohrkern entnehmen und reinigen. Kern, Schlamm und Staub werden entfernt. Wer den Bohrkern entsorgt, sollte im Angebot stehen.
- Durchführung einbauen und abdichten. Rohr oder Mauerkasten setzen, Ringraum verschließen. Diese Arbeit übernimmt nicht jeder Bohrbetrieb, oft macht es der Installateur.
Grenzen des Selbermachens
Für einzelne Bohrungen in nichttragendem Mauerwerk kann es sinnvoll sein, ein Kernbohrgerät zu mieten. Die passende Diamantbohrkrone richtet sich nach Material und Durchmesser, für Mauerwerk wird oft trocken mit Absaugung gebohrt. Rechnen Sie das Gewicht ein: Die größeren ständergeführten Geräte wiegen laut Hilti bis zu 37 kg.
Die Grenze zum Fachbetrieb ist erreicht, sobald einer dieser Punkte zutrifft:
- Das Bauteil ist Stahlbeton oder trägt Lasten, etwa Decke, Unterzug, Stütze oder tragende Wand.
- Die Leitungsführung in Wand oder Decke ist unbekannt.
- Die Bohrung geht durch eine erdberührte oder abgedichtete Kellerwand.
- Der Durchmesser verlangt eine ständergeführte Nassbohrung.
- Es wird über Kopf gebohrt, an Bauteilkanten oder in Höhe.
Eine Anleitung zum Bohren in tragenden Bauteilen geben wir bewusst nicht. Hier geht es nicht um handwerkliches Geschick, sondern um die Tragfähigkeit des Gebäudes, um verdeckte Leitungen und um die Dichtheit der Gebäudehülle.
Kosten im Überblick
Die meisten Betriebe rechnen nach Bohrtiefe und Durchmesser ab, dazu kommen Anfahrt, Einrichtung und Zuschläge etwa für Stahlbeton, Überkopfarbeiten oder Wasserfang. Bewehrungsortung und Statik sind eigene Leistungen. Konkrete Preisbeispiele, Beispielrechnungen und Hinweise zum Angebotsvergleich finden Sie auf unserer Seite Was kostet eine Kernbohrung?. Mit dem Kernbohrung-Kostenrechner können Sie ein Angebot mit Ihren eigenen Werten nachrechnen.
Fachbetrieb für Kernbohrungen finden
Gute Betriebe fragen nach Material, Bauteildicke und Verwendungszweck, bevor sie einen Preis nennen, und sagen offen, ob sie Ortung und Abdichtung mit übernehmen. Klären Sie im Gespräch außerdem, wie Wasser oder Staub aufgefangen werden und wer den Bohrkern entsorgt.
Betriebe in Ihrer Region finden Sie im Firmenverzeichnis für Kernbohrung. Wenn Sie mehrere Angebote mit denselben Angaben vergleichen möchten, stellen Sie eine Anfrage für eine Kernbohrung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Kernbohrung und einer normalen Bohrung?
Ein Bohrer zerspant das gesamte Material im Bohrloch. Bei der Kernbohrung schneidet eine hohle, becherförmige Bohrkrone mit Diamantsegmenten nur einen schmalen Ring, in der Mitte bleibt ein zylindrischer Bohrkern stehen. So entstehen auch große Durchmesser mit glatten Kanten, bei einer Durchgangsbohrung auf beiden Seiten des Bauteils.
Darf eine Kernbohrung die Bewehrung durchtrennen?
Das entscheidet der Tragwerksplaner, nicht der Bohrbetrieb. Die Fachzeitschrift IKZ betont am Beispiel von Unterzügen, dass besonders die untere Bewehrung auf keinen Fall durchtrennt werden darf und dass auch die Dübelbohrungen für den Bohrständer die Bewehrung nicht beschädigen dürfen. Moderne Geräte schneiden Bewehrungsstahl mühelos, darum merkt man einen Treffer oft gar nicht.
Wie zuverlässig ist ein Bewehrungsscanner?
Handgeräte arbeiten meist mit Wirbelstrom oder Radar. Eine Untersuchung der BAM zeigt, dass Stäbe in geringer Tiefe mit fast allen Geräten gefunden werden, in größerer Tiefe aber stark von Gerät und Erfahrung des Prüfers abhängen. Bei mehreren Bewehrungslagen sind bildgebende Radar- oder kombinierte Verfahren nötig, Treffer lassen sich nie vollständig ausschließen.
Ist Nassbohren staubfrei?
Nein, aber deutlich staubärmer. Die BG BAU schreibt, dass Nassbearbeitung den Staubanfall erheblich mindert, eine Staubgefährdung durch Aerosole aber nicht ganz ausschließt. Dafür fallen Wasser und Bohrschlamm an, die aufgefangen und abgesaugt werden müssen.
Wie wird eine Rohrdurchführung nach der Kernbohrung abgedichtet?
Üblich sind Dichtungseinsätze, die den Ringraum zwischen Bohrlochwand und Rohr verschließen. Der Hersteller DOYMA verlangt eine saubere, ausgebesserte Bohrlochwand und empfiehlt bei drückendem Wasser zusätzlich, die Kernbohrung zu versiegeln. Welches System passt, hängt von der Wasserbeanspruchung und der vorhandenen Abdichtung des Gebäudes ab.
Kann ich eine Kernbohrung selbst machen?
In nichttragendem Mauerwerk, bei kleinen Durchmessern und klarer Leitungsführung ist das mit Leihgerät, passender Bohrkrone und Sauger der Staubklasse M möglich. Bohrungen in Stahlbetondecken, Unterzügen, tragenden Wänden oder in abgedichteten Kellerwänden sollten Sie einem Fachbetrieb überlassen, nach Freigabe durch einen Tragwerksplaner.
Quellen
- Kernbohrung – Bauprofessor (Baulexikon), abgerufen am 31. Oktober 2026
- Auswahlhilfe für Diamantkernbohrgeräte und Zubehör für Wassermanagement (Stand 23-06) – Hilti, abgerufen am 31. Oktober 2026
- Bohrungen in Stahlbeton-Unterzügen: Kopflos oder mit Köpfchen? (IKZ-Praxis 11/2019) – IKZ, abgerufen am 31. Oktober 2026
- Schulung zur zuverlässigen Ortung von Bewehrung in Stahlbetonbauteilen von Kraftwerken (DGZfP-Jahrestagung 2011) – Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Fraunhofer ITWM u. a., abgerufen am 31. Oktober 2026
- Rebar detection and core extraction – Universität der Bundeswehr München, Institut für Werkstoffe des Bauwesens, abgerufen am 31. Oktober 2026
- Mineralischer, quarzhaltiger Staub (Baustein C 317, Stand 07/2021) – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), abgerufen am 31. Oktober 2026
- Einbauhinweise HKD DOMO-NW-Z / HKD DOMO-DW-Z – DOYMA, abgerufen am 31. Oktober 2026